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Hortkongress am 27. April 2010

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Mehr als 250 Teilnehmer diskutierten am 27. April im M,O,C in München im Rahmen eines Kongresses über die "Zukunftsperspektiven der Hortpädagogik" engagiert über die Zukunft der bayerischen Horte. Im Mittelpunkt der vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (StMAS) organisierten Veranstaltung standen insbesondere die Herausforderungen, die an die Horte und altersgeöffneten Kindergärten aufgrund des flächendeckenden Ausbaus der Ganztagsschule gestellt hk10-535 werden. Unter den rund 250 Teilnehmern befanden sich neben Vertretern des StMAS, des bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, des bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik unter anderem Vertreter der kommunalen Spitzenverbände, der freien Wohlfahrtsverbände sowie zahlreiche Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen, Lehrer/innen, Eltern und Hortkinder. Moderiert wurde die Veranstaltung von Herrn Prof. Dr. Bernhard Kalicki, Professor für Frühkindliche Bildung an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden und wissenschaftlicher Referent am Staatsinstitut für Frühpädagogik.

Nach der Begrüßung durch Herrn Ministerialrat Hans-Jürgen Dunkl, Leiter des Referats Kindertagesbetreuung des StMAS, übermittelte zunächst der Amtschef des StMAS, Herr Ministerialdirektor Friedrich Seitz, die Grüße von Frau Staatsministerin Haderthauer. Er betonte, dass ihr das Verhältnis Ganztagsschule und Hort besonders am Herzen liege und sie die Ergebnisse des Kongresses mit großer Spannung erwarte. Ziel des StMAS sei es, das Beste beider Systeme in Einklang zu bringen ("best of both"). "Derzeit existieren an vielen Standorten in Bayern bereits beispielgebende Projekte, die zeigen, wie sich Kindertagesbetreuung in Horten und schulische Betreuungsangebote optimal miteinander verbinden lassen. Diesen Weg müssen wir weiter gehen", so die Staatsministerin anlässlich des Hortkongresses.

Vollständiges Statement: Pressemitteilung 118.10 .

Auch Herr Ministerialdirektor Friedrich Seitz hob in seinem Grußwort die neuen Herausforderungen, mit denen der Hort sich konfrontiert sehe, hervor. Er regte insbesondere die ausführliche fachliche Diskussion über die Pädagogik der Ganztagsschule an. "Wir müssen nicht nur mögliche strukturelle oder finanzielle Unterschiede klären und konzeptionell zusammenführen. Vielmehr fehlt mir bislang eine grundlegende fachliche Debatte. Wir fragen nach der Ganztagsschulkonzeption, lassen aber nach meinem Dafürhalten die entscheidende Vorfrage unbeantwortet, welche Pädagogik und welche Bildung der Schüler, die Schülerin braucht."

Schriftliche Fassung des Grußworts: hk10-seitz.pdf (33 KB)

Detailliert erläutert wurde die Situation der bayerischen Horte anschließend von Herrn Ministerialrat Hans-Jürgen Dunkl. Dieser stellte nicht nur den Stand des Ausbaus der Ganztagsschulen und der derzeitigen Schülerbetreuung im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe dar und skizzierte die damit verbundenen Probleme, sondern umriss auch Möglichkeiten, wie beide Angebote im Interesse der Kinder bestmöglich miteinander verknüpft werden können. hk10-518 Insbesondere stellte er in Aussicht, dass das StMAS im Rahmen der im BayKiBiG verankerten Experimentier­klausel für Modellprojekte die Möglichkeit eröffnen wolle, von der in Art. 2 Abs. 3 BayKiBiG vorgesehen Mindest­buchungszeit von 20 Stunden pro Woche abzusehen. Auch im Rahmen der Großtagespflege sollten versuchsweise Veränderungen vorgenommen werden, so insbesondere zur Steigerung der Attraktivität der Großtagespflegestellen die kindbezogene Förderung statt wie bisher an den Landkreis oder die kreisfreie Stadt als Träger der öffentlichen Jugendhilfe direkt an die Großtagespflegeperson ausgezahlt werden. Auch sollten modellhaft an einzelnen Standorten Kombinationen aus Schule und Hort entwickelt und wissenschaftlich begleitet werden.

Der vollständige Vortrag: hk10-dunkl.pdf (122 KB)

Zu Beginn der anschließenden Diskussion stellte Herr Bürgermeister Niedergesäß aus Vaterstetten sein Modellprojekt der Kombination von Hort und Schule vor, welches sich gerade im Abstimmungsprozess mit dem StMUK und StMAS befindet und betonte, dass die Kommunen bereit seien, sich einzusetzen. Von Seiten des pädagogischen Personals wurden verschiedentlich problematische Erfahrungen bei der Zusammenarbeit von Schule und Hort dargelegt. So sei in der Praxis das unterschiedliche Bildungsverständnis immer noch ein Hindernis für die Zusammenarbeit. Vielfach würden die Belange aus Sicht des Hortpersonals zu sehr aus schulischer Perspektive betrachtet, auch fehle der starke Austausch mit den Eltern wie er im Rahmen der Erziehungspartnerschaft für den Hort unerlässlich sei. Ferner wurde die Befürchtung geäußert, dass den Horten ihre Eigenständigkeit genommen würde, sobald der Hort an die Schule komme, dass die Hortpädagogen gar zu „Handlangern der Schule“ degradiert würden. Um die gegenseitige Wertschätzung von Hort- und Schulpersonal zu steigern und einen größeren Zugang zu den Tätigkeiten und Problemstellungen der jeweils anderen Seite zu eröffnen, wurden von einem Großteil der Teilnehmer gemeinsame Fortbildungen von Lehrern, Erziehern und Kinderpflegern angeregt. Herr Ministerialrat Dr. Johann Eirich, Leiter des Referats Frühkindliche Bildung und Erziehung des StMAS betonte, dass derzeit von IFP und ISB an der Entwicklung gemeinsamer Leitlinien für den Primar- und Elementarbereich gearbeitet werde, um die unterschiedlichen pädagogischen Ansätze einander anzunähern. Er stellte ferner in Aussicht, dass gemeinsame Fortbildungen, welche bisher insbesondere zur Gestaltung des Übergangs von Kindergarten zur Schule für pädagogisches Personal in Kindergärten und Lehrer angeboten würden, verstärkt auch für Hortpersonal geöffnet werden sollten.
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Das Thema des "Hortes in einer sich differenzierenden Bildungslandschaft" wurde nach der Mittagspause von Herrn Prof. Dr. Helmut Lechner, dem Leiter des Studiengangs Bildung und Erziehung im Kindesalter an der Fachhochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften näher beleuchtet. Er analysierte zunächst die Problemlage aus ökonomischer Sicht, aus Perspektive der Eltern, Perspektive der Schule, Perspektive der Familien- und Bildungspolitik, pädagogischer Perspektive und Perspektive der Kinder, bevor er mit Blick auf die Betroffenen Qualitätskriterien einer Nachmittagsbetreuung von Schulkindern entwickelte. Er plädierte hierbei auch für eine Entschleunigung der Prozesse sowohl in Schule als auch in Kindertageseinrichtungen. Den Kindern müssten Freiräume geschaffen werden und Zeit für ihre Persönlichkeitsentwicklung.

Die vollständige Präsentation: hk10-lechner.pdf (29 KB)

Im Rahmen der folgenden Diskussion wurde insbesondere von Frau Dr. Hartl-Grötsch (Schul- und Kultusreferat der Landeshauptstadt München) die gegenseitige Öffnung der Institutionen eingefordert. Derzeit bestehe in Bayern ein Lehrerüberschuss, gleichzeitig herrsche in den Kindertageseinrichtungen ein Fachkräftemangel. Hier bestünde die Möglichkeit mit der Abordnung der Lehrer in Horte beiden Problemen zu begegnen.

Nach angeregter Diskussion hatten die Teilnehmer anschließend auf einem Marktplatz die Möglichkeit, sich über die pädagogische Praxis inhk10-522 verschiedenen bayerischen Horten näher zu informieren. So präsentierten dort unter anderem die städtischen Horte in der Gänselieselstraße und in der Malmedy-Straße, Horte der Arbeiterwohlfahrt, des BRK, der Geschwister Gummi-Stiftung sowie zweier katholischer Einrichtungen ihr Bildungsverständnis, ihre konkrete Bildungsarbeit und ihre individuellen Schwerpunkte.
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Ein Experiment gelang den Veranstaltern nach Meinung aller Beteiligten zum Abschluss mit einer Diskussionsrunde im sog. Fishbowl-Verfahren. Der Name dieser alternativen Methode der Diskussionsführung erklärt sich aus der Sitzordnung, die in ihrer ursprünglichen Gestaltung an ein Goldfischglas erinnern soll. Es diskutiert eine kleine Gruppe von Teilnehmern im Innenkreis (im "Goldfisch-Glas") eine Thematik, während die übrigen Teilnehmer in einem
hk10-549 Außenkreis beobachten und zuhören. Wenn sich ein Teilnehmer des Außenkreises an der Diskussion beteiligen möchte, so steht ihm ein freier Platz im Innenkreis zur Verfügung. Vorteil dieser Methode ist die Möglichkeit auch bei großer Teilnehmerzahl in kleiner Runde problemorientiert zu diskutieren und gleichzeitig allen Teilnehmern die Möglichkeit der Beteiligung zu eröffnen.

Beständiger Teil des Innenkreises auf dem Hortkongress waren Herr Ministerialrat Hans-Jürgen Dunkl als Vertreter des Familienministeriums, Herr Gerhard Dix, Leiter des Referats V des Bayerischen Gemeindetags, somit zuständig für Fragen des bayerischen Bildungs- und Erziehungswesens insbesondere in Kindertageseinrichtungen, Herr Prof. Dr. Helmut Lechner, Herr Horst Fleck, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Elternverbände Bayerischer Kindertageseinrichtungen e.V. (ABK), Herr Diakon Ludwig Selzam, Erster Vorstand des Bayerischen Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen und Tagespflege für Kinder e.V. sowie Frau Evelyn Döhler, Leiterin des städtischen Kinderhorts in der Gänselieselstraße in München.

Im Zentrum der lebendigen Diskussion stand zunächst die Frage, was für die Beteiligten an der Hortpädagogik unverzichtbar sei. Konsens bestand hierbei darin, dass der Hort das Kind als Ganzes im Blick habe und es unabhängig von dem im Bereich der Schule stark gewichteten Faktor seiner Leistungsfähigkeit betrachte, der Hort vielmehr auch und gerade die Möglichkeit schaffe, von der Schule abzuschalten. Nach Meinung aller Diskussionsteilnehmer vermittelt der Hort Kompetenz fürs Leben und schafft Raum für die Entwicklung der Persönlichkeit. Von Herrn Prof. Dr. Lechner wurde darüber hinaus hervorgehoben, dass in den bayerischen Horten viel Zeit für die Kinder und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern verbleibe. Er betonte die hohe Beziehungskonstanz, die im Verhältnis zwischen Kindern und Hortpersonal zu beobachten sei und die für eine stabile Persönlichkeitsentwicklung von besonderer Bedeutung sei. Herr Dix formulierte aus Sicht des Bayerischen Gemeindetags auch kritische Anmerkungen. Zwar sei der Hort etabliert und werde gerne genutzt, wo man ihn sich leisten könne, er sei jedoch für die Kommunen sehr teuer. Aufgrund des Ausbaus der Ganztagsschule und der recht hohen Volatilität der Elternwünsche bestünde ferner für die Kommunen Unsicherheit für die weitere Planung. Mit Blick auf ein aktuelles Beispiel, bei dem die Kommune aufgrund der Kostenlast erwägt, die Horte zugunsten des Ausbaus der Ganztagsschule zu schließen, wurden insbesondere von Herrn Selzam die Qualitätsstandards in Horten als für die Kinder unerlässlicher Standards auch für andere Betreuungsangebote angemahnt.

Schwerpunkt der weiteren Diskussion waren im Anschluss Erfahrungen und Entwicklungspotentiale für die weitere Zusammenarbeit von Hort und Schule und die Notwendigkeit einer generellen Strukturreform. Entwicklungspotential wurde insbesondere von Seiten der Gemeinden bezüglich der Handlungsfreiheit der Kommunen, einer besseren finanziellen Ausstattung, mehr Vernetzung und einer höheren Flexibilität des Gesetzgebers gesehen. Ausdrücklich begrüßt wurden die von Herrn Dunkl dargestellten Modellversuche des StMAS im Rahmen der Experimentierklausel. Eine angeregte Diskussion entspann sich auch im Hinblick auf eine Beitragsfreiheit der Horte. Diese wurde teilweise als wichtige Voraussetzung für die Gleichheit der Bildungschancen gesehen, teilweise wurde auch von Seiten der Elternvertreter betont, dass es verständlich sei, dass die Hortbetreuung nicht zum Nulltarif erfolgen könne. Viele Eltern seien daher durchaus bereit, für die qualitativ hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung ihrer Kinder einen Beitrag zu zahlen.

Auch das Verhältnis zwischen pädagogischem Personal in Schulen und pädagogischen Kräften in Horten wurde aus verschiedenen Sichtweisen detailliert beleuchtet. Hierbei wies Herr Prof. Dr. Lechner darauf hin, dass gemeinsame Fortbildungen von Lehrern und pädagogischem Personal in Horten nur punktuelle Ereignisse seien. Um echte Gemeinsamkeiten auf Personalebene zu erreichen, müssten Gemeinsamkeiten in der Ausbildung geschaffen werden. Auch den unterschiedlichen Status von Lehrern und Erziehern stellte er zur Disposition. Von Frau Sabine Engel vom Deutschen Familienverband wurde angeregt, mehr Lehrer im Hort zu beschäftigen. Es gäbe diesbezüglich zahlreiche Stellenanfragen, die vor dem Hintergrund des drohenden bzw. teilweise schon bestehenden Fachkräftemangels gut berücksichtigt werden könnten. Herr Ministerialrat Dunkl stellte klar, dass schon derzeit Lehrer in Horten eingesetzt werden können, erforderlich sei hierfür lediglich die Zustimmung des Jugendamts. Frau Döhler betonte, dass die Horttätigkeit durchaus ein anderes Anforderungsprofil als die Lehrertätigkeit in der Schule aufweise, die Lehrer jedoch zunächst für eine Schultätigkeit ausgebildet seien.
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Darüber hinaus wurde mehrfach ein Gesamtkonzept für die Schülerbetreuung gefordert. Die Vielfalt der Systeme erdrücke die Eltern. Um eine Vereinheitlichung zu erreichen wurde hierbei auch die Überführung der zuständigen Bereiche des StMAS und StMUK in ein einheitliches Bildungsministerium vorgeschlagen.

Einen würdigen Abschluss fand die Veranstaltung mit der Vorführung eines Films im Rahmen des Projektes von Studio im Netz (SIN), das dankenswerterweise mit Unterstützung der Landeshauptstadt München realisiert werden konnte. Zu Beginn des Kongresses hatten Kinder aus dem städtischen Kinderhort an der Burmesterstraße zahlreiche Kongressteilnehmer zu verschiedenen Aspekten der Kindertagesbetreuung in Horten interviewt. Das Team von SIN hat die Ergebnisse während des Kongresses in einem Film zusammengeschnitten.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Hortkongress, die noch keine Teilnahmebescheinigung erhalten haben, können diese auf elektronischem Wege im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen bei Frau Geier unter dem Postfach elfriede.geier@stmas.bayern.de anfordern.

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