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Sprachförderung

Allgemeines

Sprachförderung ist ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit bei allen Kindern, unabhängig von ihrer Herkunft. Sprachkompetenz ist die Grundlage für Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und Integration in die Gesellschaft. Sie ist wichtige Voraussetzung für Chancengerechtigkeit. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Qualität der frühkindlichen Bildung und Erziehung, denn schon früh werden in der individuellen Bildungsbiografie die Weichen gestellt.

Unter Sprachförderung versteht man alle pädagogischen Maßnahmen,

  • durch die Kinder Freude am Sprechen und an Kommunikation allgemein entwickeln und
  • durch die sie die Fähigkeit erwerben, sich mit anderen auszutauschen, anderen die eigenen Erlebnisse, Gefühle, Meinungen, Gedanken und Wünsche mitzuteilen.

Sprachförderung heißt aber auch, Kinder mit Büchern und der Schriftsprache vertraut zu machen - also das zu tun, was im Fachjargon oft Literacyerziehung genannt wird - und den Kindern Sprache als Kulturgut nahezubringen.

Gesetzliche Grundlagen

Sprachförderung ist in bayerischen Kindergärten als elementare Bildungseinrichtungen schon seit 1972 gesetzlich verankerte Kernaufgabe. Die erstmalige gesetzliche Normierung erfolgte mit Inkrafttreten des BayKiBiG (Art. 12 BayKiBiG i.V.m. § 5 AVBayKiBiG).
Nach Art. 12 BayKiBiG sind durch den Träger für alle Kinder mit besonderem Sprachförderbedarf eine besondere Sprachförderung sicherzustellen.

Bildungs- und Erziehungsplan

Ein Schwerpunkt im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan liegt auf einer umfassenden Literacy-Erziehung im Sinne vielfältiger Erfahrungen und Lernchancen rund um Buch-, Erzähl-, Reim- und Schriftkultur, die für die Sprachentwicklung und insbesondere die spätere Lesekompetenz der Kinder von großer Bedeutung ist. Siehe hierzu auch ergänzende Materalien. Der Bildungs- und Erziehungsplan gibt zudem den pädagogischen Kräften praxisgerechte Hilfestellung zur Umsetzung.

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Sprachberater

Das Sprachberaterprogramm ist ein Fortbildungsangebot für das pädagogische Team, um den Bereich Sprache im Rahmen des pädagogischen Konzeptes nochmals in den Focus zu nehmen. Das pädagogische Personal soll Gelegenheit erhalten, sich im Bereich "Sprache und Literacy" auf der Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterzubilden.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Seite Sprachberatung .

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Maßnahmen der Sprachförderung

Mit dem Beschluss des Ministerrats vom 19. und 20. Dezember 2005 wurde die Deutschförderung verstärkt. Insbesondere wurde vereinbart, künftig Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse nicht mehr einzuschulen, sofern sie nicht vorher eine spezielle vorschulische Sprachförderung durchlaufen haben. Hierzu leistet der Kindergarten als Bildungseinrichtung mit einer Besuchsquote von über 99 Prozent aller Vorschulkinder einen entscheidenden Beitrag. Kinder mit Migrationshintergrund besuchen im letzten Jahr vor der Einschulung zu rd. 97 Prozent einen Kindergarten.

Im Einzelnen wurden folgende Maßnahmen ergriffen, um die Sprachförderung bzw. interkulturelle Arbeit noch zu intensivieren:

Zielgerichtete Beobachtung und sprachliche Förderung mit dem Seldak- und Sismik-Bogen

Ab dem Kindergartenjahr 2008/2009 ist spätestens ein Jahr vor der Einschulung eine Sprachstandserhebung für alle Kinder in Kindertageseinrichtungen durchzuführen. Eine entsprechende Änderung der AVBayKiBiG ist geplant.

Seldak

Für Kinder, die mit Deutsch als Erstsprache (Muttersprache) aufwachsen, wurde vom Staatsinstitut für Frühpädagogik der Bogen Seldak (Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern) entwickelt. Er ist seit September 2006 erhältlich und ist im Jahr 2007 flächendeckend in den Kindertageseinrichtungen eingeführt worden. Er eignet sich für die Altersspanne von 4 Jahren bis zum Schuleintritt. Der Bogen zielt auf eine längerfristige, prozessorientierte Begleitung der Sprachentwicklung von Kindern. Die Beobachtung gibt Fachkräften vielfältige konkrete Hinweise für die pädagogische Arbeit.

Sismik

Bereits seit dem Kindergartenjahr 2001/02 wird bayernweit der vom Staatsinstitut für Frühpädagogik entwickelte Beobachtungsbogen zur Sprachentwicklung "SISMIK" (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen) eingesetzt. Der Sprachstand von Kindern, deren Eltern beide nichtdeutschsprachiger Herkunft sind, wird nach § 5 AVBayKiBiG verpflichtend durch den zweiten Teil des SISMIK-Bogens erhoben.

Erhöhte kindbezogene Förderung

Die Träger von Kindertageseinrichtungen erhalten für Kinder, deren beide Elternteile nichtdeutschsprachiger Herkunft sind, im Rahmen des BayKiBiG einen höheren Gewichtungsfaktor von 1,3.

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Vorkurse

Das Vorkurskonzept "Deutsch 240" ( vorkurskonzept240.pdf (44 KB) ist eine spezielle Form von Sprachförderung für Kinder, deren beiden Elternteile nichtdeutschsprachiger Herkunft sind, in Kooperation von Kindergarten (und Kindertageseinrichtungen für Kinder, die Kinder im Vorschulalter aufnehmen) und Grundschule. Jeweils 120 Stunden werden vom pädagogischen Personal der Kindergärten und der Lehrkräfte der Grundschulen eingebracht. Die Vorkurse erstrecken sich insgesamt eineinhalb Jahre und laufen vom Januar des vorletzten Jahres vor der Einschulung bis zum Juli vor der Einschulung.

Sie beginnen auf Seiten der Kindergärten und Grundschulen zeitversetzt. Das Vorkursangebot startet im Kindergarten bereits in der zweiten Hälfte des vorletzten Jahres vor der Einschulung, d.h. ab Januar. Der Vorkurs wird ab dem letzten Jahr vor der Einschulung (September bis Juli) weitergeführt. Die Sprachförderung des pädagogischen Personals in Kindergärten umfasst ab der zweiten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres bis zur Einschulung des Kindes jeweils 90 Minuten (entspricht zwei Schulstunden) pro Woche.
In den Grundschulen beginnt der Vorkurs ab dem letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung. Die Grundschullehrer/innen übernehmen ab diesem Zeitpunkt 135 Minuten (entspricht drei Schulstunden) pro Woche.
Im letzten Jahr vor der Einschulung erhält somit jedes Kind an jedem Tag der Woche eine Stunde Vorkurs. Die Vorkurse ergänzen und unterstützen die Tätigkeit der pädagogischen Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen.

Die Ausführungsverordnung zum BayKiBiG enthält zur Durchführung der Vorkurse folgende Regelungen: "Der Sprachstand von Kindern, deren Eltern beide nicht deutschsprachiger Herkunft sind, ist in der ersten Hälfte des vorletzten Kindergartenjahres anhand des zweiten Teils des Bogens 'Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen (Sismik) - Sprachliche Kompetenz im engeren Sinn (deutsch)' zu erheben. Die sprachliche Bildung und Förderung von Kindern, die nach dieser Sprachstandserhebung besonders förderbedürftig sind oder die zum Besuch eines Kindergartens mit integriertem Vorkurs verpflichtet wurden, ist in Zusammenarbeit mit der Grundschule auf Grundlage der entsprechenden inhaltlichen Vorgaben 'Vorkurs Deutsch lernen vor Schulbeginn' oder einer gleichermaßen geeigneten Sprachfördermaßnahme durchzuführen."

Der Träger des Kindergartens ist somit nicht verpflichtet, inhaltlich im Vorkurs das Programm "Vorkurs Deutsch vor Schulbeginn" zu verwenden. In jedem Fall besteht die Verpflichtung zur inhaltlichen Absprache der Erzieher/in und der Lehrkraft, die auf Schulseite den Vorkurs durchführt.

Hinweise zur verbindlichen Beobachtung von Migrantenkindern mit dem Bogen SISMIK, Teil 2 ( sismik-teil2.pdf , 25 KB).

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Intensivierung der Fortbildungen für das pädagogische Personal

Der Freistaat Bayern gewährt Förderungen für Fortbildungsmaßnahmen für das pädagogische Personal in Tageseinrichtungen für Kinder nach Maßgabe der entsprechenden Richtlinien. Hierfür hält der Freistaat Bayern im Jahr 2008 insgesamt rund 1,7 Millionen Euro bereit.
Eine Förderung können die Träger der freien Wohlfahrtspflege (Bayer. Landesverband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder und Tagespflege e.V.; Bayer. Rotes Kreuz; Bayer. Landesverband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder e.V.; Arbeiterwohlfahrt und Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Bayern e.V.) und die Bayerische Verwaltungsschule als Anbieter für die öffentliche Wohlfahrtspflege beantragen. Sie erhalten derzeit Zuwendungen für das Angebot von Regelfortbildungen und bayernweiten Fortbildungskampagnen.

Regelfortbildung

Im Jahr 2007 wurden von den staatlich geförderten Fortbildungsträgern in den Bereichen "Sprache und Literacy", auch in Verbindung mit Bereichen wie "Bewegung, Rhythmik, Tanz und Sport" sowie "Musik", insgesamt 165 Fortbildungsveranstaltungen angeboten, an denen insgesamt 3.107 pädagogische Kräfte teilgenommen haben.
Allein für den Bereich "Sprache und Literacy" fanden 2007 bayernweit 49 Veranstaltungen mit 914 Teilnehmer/innen statt. Im Schnitt hat im Jahr 2007 somit mindestens jede siebte Einrichtung für Kinder bis zur Einschulung an einer Fortbildung zum Thema "Sprache und Literacy" teilgenommen, ein erfreuliches Ergebnis in Anbetracht der Bandbreite der Bildungs- und Erziehungsziele und der Themenbereiche im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan.

Fortbildungskampagnen

In Kooperation mit Kreisverwaltungsbehörden und den freigemeinnützigen Fortbildungsträgern finden zusätzlich einheitliche bayernweite Fortbildungsveranstaltungen statt. Die inhaltliche Gestaltung der Fortbildungsveranstaltungen zu den Kampagnen erfolgt gemeinschaftlich durch das StMAS und die Fortbildungsträger. Die Veranstaltungen sind für die Teilnehmer/innen kostenlos.

Kampagne "Dialog Bildung"
Die weiterführende Kampagne trägt dazu bei, die Grundprinzipien und Ziele des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans in der Praxis zu verankern. Zielgruppe der Kampagne "Dialog Bildung" sind die Einrichtungsteams.

Kampagne "Übergang als Chance"
Die Kampagne richtet sich an pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte gemeinsam und hat den Schwerpunkt bei der gemeinsamen Bewältigung des Übergangs von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule

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Materialien

Elternbroschüre

Eltern würden oft gerne die Sprachentwicklung ihrer Kinder unterstützen, wissen aber nicht immer, wie. Das Staatsinstitut für Frühpädagogik erstellt deshalb eine Broschüre mit wichtigen Hinweisen und Tipps. Sie wird ab Herbst 2008 zur Verfügung stehen.

Praxishandbuch

Das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) hat sich schon frühzeitig mit dem Themenkreis Sprachförderung und interkulturelle Erziehung beschäftigt und hervorragende Materialien und Praxisbücher entwickelt. Das StMAS hat beispielsweise ein auch außerhalb Bayerns viel beachtetes Praxishandbuch mit dem Titel "Interkulturelle Arbeit und Sprachförderung in Kindertagesstätten" veröffentlicht und jedem Kindergarten zur Verfügung gestellt. Das Praxishandbuch ist unter dem Titel "Die Welt trifft sich im Kindergarten" im Buchhandel erhältlich.

Videokassette

Für den Bereich "Literacy" finden sich auch Beispiele in der im Jahr 2004 veröffentlichten Videokassette "Lust auf Sprache - sprachliche Bildung und Deutsch lernen in Kindertageseinrichtungen". Ausländische Eltern werden dabei in die sprachfördernden Aktivitäten des Kindergartens aktiv eingebunden. Dadurch erhalten sie die Chance, Grundprinzipien der Sprachförderung in der Familie und im Kindergarten kennen zu lernen. Gleichzeitig bietet dies die Gelegenheit, Kenntnisse über die individuellen Migrations-Biographien von Familien zu sammeln und auf deren Grundlage ein differenziertes familiengerechtes interkulturelles Angebot bereit zu stellen.

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Sonstige Beteiligungsprojekte

Auf sonstige Beteiligungsprojekte wie etwa "Mama lernt deutsch" , Opstapje oder "Hippy", ein Eltern-Kind-Programm zur Sprachförderung und Schulvorbereitung, die erfolgreich vor Ort eingeführt sind, oder vielfältige Vernetzungen von Kindertageseinrichtungen zum Beispiel mit Volkshochschulen sei nur ergänzend hingewiesen.

Zusätzliche Informationen

audit berufundfamilie

Berufundfamilie Logo

Zertifikat zur Vereinbarkeit von Job und Familie

Mehr Informationen

Newsletter Kinder­bildung/-betreuung

Hier können sie den Newsletter abonnieren oder einzelne Newsletter rund um das Thema Kinderbildung und -betreuung einsehen.

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Broschüren rund um das Thema Kinderbetreuung

Deckblatt Broschüre Umweltbildung

Im Bayerischen Verwaltungs­portal finden Sie Bro­schür­en und Falt­blät­ter rund um das Thema Kin­der­be­treu­ung.

verwaltungsportal.de

Staatsinstitut für Frühpädagogik

Logo Staatsinstitut für Frühpädagogik - IFP

Das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in Bayern befasst sich mit Fragen der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen.

ifp.bayern.de

Sozial-Fibel

Ein Lexikon über soziale Hilfen, Leistungen und Rechte.

Alle Stichworte von A bis Z